Fußwallfahrt Kottenheim
Fußwallfahrt Kottenheim

Historie

Geschichte der marianischen Wallfahrt


In der Christenheit hat die Vorstellung von einem universalen, allgemeinen Gott zu der Überzeugung geführt, dass bestimmte Heilige eine Vermittlerrolle zu Gott gegenüber einnehmen. So bedeutet Wallfahrt im wissenschaftlichen Sinn das Aufsuchen einer bestimmten Kultstätte mit einem besonderen dorthin gebundenen Kultobjekt im Sinne eines religiösen Aktes oder aufgrund eines frommen Gelöbnisses. Heute wird der Sinn des Wallfahrens in der Verehrung heiliger Orte, Glaubensbilder und Personen, im religiösen Erlebnis sowie im Glauben an Wunder und Hilfe in persönlichen Notlagen gesehen.

Die Pilger aus Kottenheim wallfahrten zum Gnaden- und Vesperbild der Schmerzhaften Mutter Gottes im Wallfahrtskloster nach Kamp-Bornhofen.
Um dieses Gnadenbild ranken sich verschiedene Legenden. Bereits aus dem Jahre 1298 aufgefundene Schriften sprechen erstmals das wundertätige Gnadenbild an. Erzählungen sollen belegen, dass ein Gnadenbild der „Schmerzhaften Mutter Gottes“ im Kapuzinerkloster Engelberg verehrt wurde.
Die Existenz der Statue und Verbringung ins Wallfahrtskloster Bornhofen ergibt sich aus einer Legende. Demnach sei das Gnadenbild nach dem dreißigjährigen Krieg nur deshalb ins Kloster von Bornhofen übertragen worden, weil die Gläubigen dort in Engelberg nicht das Gnadenbild der „Schmerzhalften Mutter Gottes“ sondern das der „Freudigen Mutter Gottes“ verehren wollten. Wahrscheinlicher ist die Darstellung, dass in den Wirren der schwedischen Kriege (Anfang des 17. Jahrhunderts) , in denen auch die Burgen Sterrenberg und Liebenstein durch Feuer vernichtet wurden, das Gnadenbild vor Zerstörung gesichert und nach den Kriegen über das Kloster Engelberg wieder seinen Weg nach Bornhofen gefunden hat.
Auch Anfang des 19. Jahrhundert bestimmten geschichtliche Ereignisse den Standort des Gnadenbildes, zu einer Zeit, als kirchliche Besitztümer weltlichen Staaten übertragen wurden. Die Geschichte beschreibt ehrbare Bürger und Verantwortliche, die sich mit List und Tücken einer Säkularisierung zu erwehren wussten.

Die Verehrung des Marienbildes in Bornhofen begründet sich auf die damit nachgesagten wunderbaren Heilungen von Gläubigen in ihren körperlichen und geistigen Anliegen.
Zeugnis dieser Heilungen sind die heute noch in der Gnadenkapelle zu sehenden Votivtafeln als Ausdruck von Dankbekundungen.

Über die Jahrhunderte hinweg fanden die Pilger unterschiedlichste Reise- und Transportwege, um ihr Ankunftsziel zu erreichen. In der heutigen Zeit finden sich viele Pilger auch als Tagesbuswallfahrt in der Wallfahrtskirche ein, jedoch werden Schiffs- und Fußwallfahrten gleichwohl in der Tradition erhalten.
Die Kottenheimer Bruderschaft legt die Pilgerreise von ihrem Heimatort zu Fuß auf einer Wegstrecke von mehr als 38 km zurück.
Mehrere Geschichtsquellen datieren den Beginn der Pilgerwallfahrten der Gemeinde Kottenheim unterschiedlichst. Dies mag nach meiner Meinung darauf beruhen, dass die ersten Glaubensanhänger ab dem Jahre 1695 nicht als Prozession zum Gnadenbild und zur Wallfahrtskirche nach Bornhofen aufgebrochen sind. Literarisch belegt fanden spätestens ab dem Jahr 1719 die Wallfahrten geordnet unter Federführung von zwei, später vier Brudermeistern bis heute statt.
Die genauen Literaturdaten sind allerdings im Jahr 1949 bei einem schweren Brand im Kloster Bornhofen unwiderruflich verloren gegangen.

Als Gründe für die Anfänge der Wallfahrt könnten die Hoffnung auf Heilung von Krankheiten, das Herbeisehnen besserer wirtschaftlicher oder familiärer Umstände oder ein Büßergang für den Ablass schwerwiegende Sünden gewesen sein.
Heute finden viele Pilger durch die Wallfahrt eine Auszeit aus ihrem stressigen Berufsleben oder beteiligen sich an der Prozession, um zu sich selbst oder wieder zu Gott zu finden.
Einige Pilger aus Kottenheim haben die Mühen des Fußweges bereits mehr als fünfzig Mal auf sich genommen, die spätestens bei Erreichen des Wallfahrtsklosters jedoch wieder vergessen sind.

 

 

© Marianische Bruderschaft 2015

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